
Das Korridorfest
September 24, 2006In den letzten Wochen habe ich des öfteren gedacht, neu auf einem Student Corridor zu sein, hat gewisse Gemeinsamkeiten mit Alzheimer: Man lernt jeden Tag neue Leute kennen… Man braucht dazu nur in die Küche zu gehen… ![]()
Jetzt kenne ich zwar schon seit einer Weile alle meine Mitbewohner, aber das hat wirklich mehrere Wochen gedauert. (Schließlich sind es 15 Leute auf meinem Korridor.)
Der letzte, den ich kennen gelernt habe, ist zum Beispiel Hari, ein sehr netter, lustiger Anwalt und Master-Student aus Südamerika, der übrigens zu (fast) allem Baked Beans isst. (Er hat mir allerdings versichert, dass er sie nicht zu Schokolade isst.)

Außerdem wohnen auf meinem Korridor noch Frances (aus Kalifornien), Jan (aus Deutschland) und elf Schweden – und ich natürlich.
Um endlich alle besser kennen lernen zu können, gab es gestern Abend eine Korridorparty. (Auf Schwedisch heißt das Korridorfest, auf Deutsch aber eigentlich auch… Überhaupt ist mir schon oft positiv aufgefallen, dass es in Schweden nicht – wie in Deutschland – üblich zu sein scheint, überall englische Wörter zu benutzen… “Schade für uns, wie ich meine. Sorry, dear old Germany.” Irgendwie hat Reinhard Mey ja schon sehr Recht…)
Also: Wir hatten ein Korridorfest
.
Der Ablauf war folgender (und sehr lustig
): Alle Raumnummern wurden auf Zettel geschrieben und in eine Schüssel gelegt. Dann wurde gezogen, in wessen Zimmer alle als nächstes gehen.

Der Bewohner des Zimmers hat seinen Gästen irgendetwas serviert. Dies waren zum größten Teil alkoholische Getränke (wie bei Studenten nicht anders erwartet…), …




… es gab aber auch manchmal etwas Alkoholfreies, Chips, Popcorn (salzig!) und bei mir Nussecken
.

(Es war mein erster Versuch, welche zu machen, und sie sind/waren richtig, richtig gut. Das einzige Problem ist, dass ich weder einen englischen noch einen schwedischen Namen dafür gefunden habe
. – Und es hat auch sehr viel Spaß gemacht, sie zu backen. Da ich in keinem Geschäft gehackte Nüsse gefunden habe, musste ich ein wenig improvisieren: Ich habe ganze Nüsse gekauft, sie in Plastiktüten gepackt und mit dem Hammer bearbeitet – sehr spaßig
. Außerdem gibt es in der Küche keine Waage, sodass ich die Dichten verschiedener Dinge im Internet herausgesucht und dann einfach einen Messbecher benutzt habe. – Hammer und Taschenrechner haben sich also als äußerst nützliche Küchenwerkzeuge erwiesen
.)
Eigentlich war auch geplant, dass jeder Gastgeber sich eine neue Regel ausdenkt, die alle am restlichen Abend befolgen müssen. Leider haben wir das nach dem zweiten Raum vergessen.
Die ersten beiden Regeln waren, dass man kein Wort mit “A” am Anfang benutzen darf, und dass man beim Betreten eines Zimmers eine Grimasse schneiden muss. Das hier ist übrigens Sarah (aus Schweden):

Später am Abend kamen noch einige andere Besucher, die nicht auf unserem Gang wohnen. Ich habe mich unter anderem noch ganz nett mit einem Mädel aus der Ukraine unterhalten – auf deutsch! (Sie hat in der Schule deutsch gelernt.) Außerdem waren noch weitere Austauschstudenten (zum Beispiel aus Aserbaidschan) und ein paar weitere Schweden da.

“Außerdem gibt es in der Küche keine Waage, sodass ich die Dichten verschiedener Dinge im Internet herausgesucht und dann einfach einen Messbecher benutzt habe.”
Ich bin dafür dieses Verfahren als “Möser’sches Nußmaß” zu bezeichnen. Die Dichten… ahhhhh!
Ich liebe Sarah!