Archiv für September 2006

h1

Die Chance deines Lebens

September 30, 2006

Du hast noch nie etwas gewonnen? Du stehst auf sinnloses Gemetzel und viel Blut? – oder du kennst einfach nur jemanden, den du überhaupt nicht leiden kannst?
Hier ist deine Chance auf eine DVD mit dem 5-Minuten-Kurzfilm “Deadly Tantrum”!!!

deadly-tantrum.JPG

Die ersten beiden, die hier kommentieren (und mir in diesem Kommentar versprechen, dass sie es mir nicht übel nehmen werden), bekommen zu Weihnachten bzw. beim nächsten Treffen (oder bei Übername des Portos auch früher – aber das ist’s nicht wert) diese DVD geschenkt.

h1

Die Killer-Pizza und 7 1/2 Frauen oder Ganz viele Kurzfilme…

September 30, 2006

… oder “Fantastisk Filmfestival” oder “Manches hat einfach keinen Applaus verdient” oder…
Für den gestrigen Abend fallen mir einfach zu viele Überschriften ein. Aber am besten fange ich mal vorne an:
In Lund ist zur Zeit (schon seit einer Woche und noch bis heute Abend) das “Fantastisk Filmfestival”. (Ich denke, das bedarf keiner Übersetzung ;-) .)
Hier werden viele verschiedene Filme aus vielen verschiedenen Ländern gezeigt. Ich war gestern mit einigen anderen in einer Vorstellung mit dem Titel “Kortfilmspass 2″ (Auch das bedarf wohl keiner Übersetzung ;-) .) – und das war es auch. Es wurden insgesamt 18 verschiedene Kurzfilme mit Längen zwischen zwei und 17 Minuten gezeigt. Bei manchen war der Macher sogar selbst anwesend und hat etwas zu seinem Werk erzählt. (Naja, “erzählt” ist übertrieben… Sinngemäß war’s in etwa: So, jetzt kommt mein Film, schaut ihn euch an…) Außerdem bekam man am Eingang einen Zettel, um alle Filme zu bewerten (mit Noten von 1 bis 5 – 5 ist toll, 1 ist doof) und auch eine DVD, auf der einer der gezeigten Filme drauf ist. Aber dazu werd ich später noch etwas schreiben…

So… und hier nun einige High- und Lowlights oder einfach das, woran ich mich noch erinnere…
Angefangen hat’s – wie bei Filmfestivals üblich – mit dem Vorfilm: “Mad World”, einem englischen Kurzfilm, zu dem mir jetzt nicht so viel einfällt…

Es gab auch zwei deutsche Filme und die Autorin des einen war selbst anwesend. Der Film hieß “For his sake”. Es ging um eine Frau, die in eine Wohnung zieht, und einen Mann, der in der Wohnung darüber wohnt. Dann geschehen merkwürdige Dinge oder eigentlich auch nicht, zumindest kamen unheimliche Musik und ein paar ungewöhnliche Kameraeinstellungen, dann ist die Frau irgendwann plötzlich einfach verschwunden und, wenn man genau hingeguckt hat, sah man jede Menge Fragezeichen um meinen Kopf schwirren… ;-)

Der zweite deutsche Film hieß “7 1/2 Frauen” und spielte in einem langen, blauen Gang. Protagonist war ein in etwas, das wie weiße Bettlaken aussah, gehüllter Mann. Die Handlung war, dass eine Reihe (ich habe sechs gezählt) von nackten Frauen seinen Gang betreten, sagen “Ich habe meinen Schlüssel verloren. Darf ich ihre Toilette benutzen?” und dann etwas später von ihm mit einem Spaten niedergeknüppelt werden (ohne das man Blut sieht!!), um den Gang für die nächste frei zu machen. Ach ja… und eine Gans kam auch vor… und ganz am Ende kam auf den – nun völlig verstörten – Mann ein Ei zugerollt. Darin war ein Schlüssel… Noch mehr Fragezeichen… Aber irgendwie ganz nett – und vor allem anders… ;-)
Leider enthielten die Beschreibungen der Filme keine wertvollen Hinweise zur Interpretation mancher, sehr künstlerischer, doch eher schwer verständlicher und interpretationsbedürftiger Beiträge, sondern lediglich teilweise Inhaltsangaben. :-(

Dann war da natürlich die erwähnte Killer-Pizza in einem Film aus Uruquay mit dem vielversprechenden Titel “Romeo vs the Assassin Lisergic Mozarella”: Ein offensichtlich videospielsüchtiger Junge findet eine Pizza vor der Tür zu seinem Appartment. Als er die Schachtel öffnet, beißt sie ihm die Hand ab und dann hat die zunächst harmlos anmutende Mozarella-Pizza plötzlich zwei große, runde Glubschaugen. Was folgt, ist sein Versuch, den Teigklumpen wieder los zu werden und im Wesentlichen einfach nur eklig.

Und wo wir gerade beim Thema “eklig” sind: Es kam noch schlimmer! Der englische Film “Deadly Tantrum”, den wir übrigens auf DVD geschenkt bekommen hatten, war wirklich nur noch ein sinnloses Gemetzel mit sehr viel Blut. (Aber dieser DVD werde ich noch einen eigenen Eintrag widmen; coming soon ;-) )

Nachdem wir die Kategorien “tanzende Fragezeichen” und “viel Blut und viel eklig” erledigt haben, kommen wir jetzt zu den besseren Filmen des Abends. :-)
Ganz lustig fand ich den nur zwei Minuten langen, englischen Film “The last place you look”, in dem es um genau das geht, was der Name schon vermuten lässt. Man sucht etwas und es befindet sich natürlich genau dort, wo man zuletzt guckt. (Die meisten werden dem uneingeschränkt zustimmen, ich halte es für eine eher triviale Tatsache. Schließlich sucht man meist nicht mehr weiter, wenn man gefunden hat, wonach man suchte…) Der Hauptdarsteller stellt seine gesamte Wohnung auf den Kopf – ohne Erfolg. Am Ende fällt sein Blick auf das Sofa, er zieht alle möglichen Gegenstände heraus und kriecht dann selbst fast komplett hinein. Darin findet er sich anscheinend im Reich aller verschwundenen und nicht wiedergefundenen Dinge wieder. Ihm fällt alles Mögliche in die Hände – verschollene Gemälde, eine Karte der versunkenen Stadt Atlantis, der Sinn des Lebens, der heilige Gral, … aber nichts davon interessiert ihn. Schließlich sieht man ihn wieder aus dem Sofa herauskriechen und er hat gefunden, was er gesucht hat: Die Fernbedienung… ;-) (Müßig zu erwähnen, dass es sich beim Hauptdarsteller um einen Mann handelt… ;-) )

Auch ganz nett war der Film “Dupe”. Es geht um Adam, der superfaul ist und deshalb bei eBay eine Klonmaschine kauft, um seinen Klon den Abwasch erledigen zu lassen. Dieser Klon hat allerdings eine bessere Idee, oder genau genommen: die gleiche. Leider ist der zweite Klon nicht weniger faul…
Als der echte Adam am nächsten Tag von der Arbeit nach Hause kommt, ist die Wohnung voll mit Adams. Denn die beiden anderen dachten, ein paar weitere könnten nicht schaden, um beim Aufräumen zu helfen. Als Adam das nächste mal nach Hause kommt, vergnügt sich seine Freundin gerade mit einem anderen Adam – das heißt bei genauerem Hinsehen vergnügen sich viele Freundinnen mit vielen Adams, von denen einer den “echten” auch gleich darauf hinweist, dass er sich doch eine eigene Freundin besorgen solle – schließlich machen die Jungs grad noch ein paar mehr ;-) . Die Geschichte endet damit, dass man den echten Adam auf der einen Seite der Wohnungstür stehen sieht und die anderen auf der anderen. Der echte entschuldigt sich, dass er in letzter Zeit nicht ganz er selbst war, und schließlich schließt sich die Tür. Es fällt wohl nicht schwer, zu erraten, wer auf welcher Seite steht… ;-)

Ein anderer recht guter Film war ein französischer, computeranimierter Film mit dem Titel “Mr Schwarz, …” (und noch zwei andere Namen, die ich vergessen habe).
Außerdem gab es noch einige weitere Filme, von denen manche ganz nett oder zumindest ganz lustig waren. Aber ich will euch ja hier nicht mit Filmkritiken langweilen (zu spät?? sorry…) und komme demnächst mal bald zum Ende… ;-)

Den Abschluss bildete ein weiterer guter und vor allem auch nachdenklich stimmender Film: “The Un-Gone”. Es geht um eine ganz neue Art zu reisen: Das Beamen! So wie “Beam mich rauf, Scotty.”, nur halt kommerziell und für jedermann. Die physikalische Idee dahinter ist, dass der Körper, der gebeamt werden soll, gescannt, am Bestimmungsort neu zusammengesetzt und am Ausgangsort zerstört wird. Leider funktioniert diese Dematerialisierung im Falle unseres Protagonisten nicht. Nun ja, das ist ein kleiner Ausnahmefehler. Es kann schließlich nicht dieselbe Person zweimal geben, also muss die am Ausgangsort zurückgebliebene – ohne größeres Aufsehen zu erregen – beseitigt werden. Aber darauf ist man dort vorbereitet, und nach einer kurzen Erklärung wird das auch schnell erledigt…

Alles in allem war das Ganze eine sehr interessante Vorstellung. Schade nur, dass ich “Kortfilmspass 1″ verpasst habe…

h1

Was soll das denn?

September 27, 2006

Irgendwie kenne ich das ja noch aus der Schule: Es soll ein Feueralarm geprobt werden – möglichst realistisch natürlich – und alle wissen bescheid…
Manche Lehrer haben sich dadurch natürlich nicht beeinflussen lassen, trotzdem ihren Unterricht durchgezogen und dann ganz überrascht getan (vielleicht waren sie’s auch wirklich – mit manchen Leuten redet man halt nicht, die werden bei dieser Art Mundpropaganda übergangen… ;-) ), Rainer hat die ganze Stunde Witze über den Sinn solcher Übungen gemacht, um dann, als der Alarm losging, in betont gelangweiltem Tonfall zu sagen: “Beeilt euch, beeilt euch, die Rauchentwicklung ist schon sehr stark…” ;-)

An der Lund University ist das ganz anders: Hier kann davon nun wirklich niemand überrascht werden, und man ist dabei nicht einmal darauf angewiesen, dass irgendjemand es zufällig im Voraus mitbekommt…
Folgendes, unauffälliges Schild hing am Montag an ALLEN Durchgangstüren im gesamten Mathematikgebäude.

270906-010.jpg

(“Feueralarm-Probe wird sein – Datum … – Uhrzeit …”)

Man beachte vor allem auch die Uhrzeit: 6.00 Uhr morgens!!!
Falls jemand den Sinn derartiger Veranstaltungen versteht, möge er bitte kommentieren :-) .

Ich dachte jedenfalls, diese Übungen seien da, damit im Notfall alle wissen, was zu tun ist – und nicht, um ein paar nachtaktive Professoren – nach überdeutlicher Ankündigung – bei der Arbeit zu stören… ;-)

h1

Lördagsgodis

September 26, 2006

In Schweden kann man Süßigkeiten in fast jedem Supermarkt lose kaufen. Man nimmt sich also einfach eine Tüte und ein Schäufelchen und packt rein, was man haben will. Dann wird das Ganze an der Kasse abgewogen. In Deutschland gibt es das ja auch manchmal, aber hier ist es auch noch bezahlbar. (Die Preise liegen so ungefähr zwischen 0,45 € und 1 € pro 100 g.)

Ich habe in Lund sogar ein kleines Geschäft gefunden, in dem es nur Süßigkeiten gibt.

:-D :-) :-D :-) :-D :-) :-D :-) :-D :-) :-D :-) :-D :-)

150906-079.jpg

:-) :-D :-) :-D :-) :-D :-) :-D :-) :-D :-) :-D :-) :-D

Meine Schwedisch-Lehrerin in Darmstadt hat erzählt, dass Kinder in Schweden nur Samstags (Lördag = Samstag) Süßigkeiten bekommen. Deshalb heißen Süßigkeiten manchmal auch “Lördagsgodis”.

h1

Das Korridorfest

September 24, 2006

In den letzten Wochen habe ich des öfteren gedacht, neu auf einem Student Corridor zu sein, hat gewisse Gemeinsamkeiten mit Alzheimer: Man lernt jeden Tag neue Leute kennen… Man braucht dazu nur in die Küche zu gehen… ;-)
Jetzt kenne ich zwar schon seit einer Weile alle meine Mitbewohner, aber das hat wirklich mehrere Wochen gedauert. (Schließlich sind es 15 Leute auf meinem Korridor.)

Der letzte, den ich kennen gelernt habe, ist zum Beispiel Hari, ein sehr netter, lustiger Anwalt und Master-Student aus Südamerika, der übrigens zu (fast) allem Baked Beans isst. (Er hat mir allerdings versichert, dass er sie nicht zu Schokolade isst.)

240906-001.jpg

Außerdem wohnen auf meinem Korridor noch Frances (aus Kalifornien), Jan (aus Deutschland) und elf Schweden – und ich natürlich.

Um endlich alle besser kennen lernen zu können, gab es gestern Abend eine Korridorparty. (Auf Schwedisch heißt das Korridorfest, auf Deutsch aber eigentlich auch… Überhaupt ist mir schon oft positiv aufgefallen, dass es in Schweden nicht – wie in Deutschland – üblich zu sein scheint, überall englische Wörter zu benutzen… “Schade für uns, wie ich meine. Sorry, dear old Germany.” Irgendwie hat Reinhard Mey ja schon sehr Recht…)

Also: Wir hatten ein Korridorfest :-) .

Der Ablauf war folgender (und sehr lustig :-) ): Alle Raumnummern wurden auf Zettel geschrieben und in eine Schüssel gelegt. Dann wurde gezogen, in wessen Zimmer alle als nächstes gehen.

240906-004.jpg

Der Bewohner des Zimmers hat seinen Gästen irgendetwas serviert. Dies waren zum größten Teil alkoholische Getränke (wie bei Studenten nicht anders erwartet…), …

240906-019.jpg

240906-007.jpg

240906-021.jpg240906-046.jpg

… es gab aber auch manchmal etwas Alkoholfreies, Chips, Popcorn (salzig!) und bei mir Nussecken :-) .

240906-028.jpg

(Es war mein erster Versuch, welche zu machen, und sie sind/waren richtig, richtig gut. Das einzige Problem ist, dass ich weder einen englischen noch einen schwedischen Namen dafür gefunden habe ;-) . – Und es hat auch sehr viel Spaß gemacht, sie zu backen. Da ich in keinem Geschäft gehackte Nüsse gefunden habe, musste ich ein wenig improvisieren: Ich habe ganze Nüsse gekauft, sie in Plastiktüten gepackt und mit dem Hammer bearbeitet – sehr spaßig :-) . Außerdem gibt es in der Küche keine Waage, sodass ich die Dichten verschiedener Dinge im Internet herausgesucht und dann einfach einen Messbecher benutzt habe. – Hammer und Taschenrechner haben sich also als äußerst nützliche Küchenwerkzeuge erwiesen ;-) .)

Eigentlich war auch geplant, dass jeder Gastgeber sich eine neue Regel ausdenkt, die alle am restlichen Abend befolgen müssen. Leider haben wir das nach dem zweiten Raum vergessen.
Die ersten beiden Regeln waren, dass man kein Wort mit “A” am Anfang benutzen darf, und dass man beim Betreten eines Zimmers eine Grimasse schneiden muss. Das hier ist übrigens Sarah (aus Schweden):

240906-026.jpg

Später am Abend kamen noch einige andere Besucher, die nicht auf unserem Gang wohnen. Ich habe mich unter anderem noch ganz nett mit einem Mädel aus der Ukraine unterhalten – auf deutsch! (Sie hat in der Schule deutsch gelernt.) Außerdem waren noch weitere Austauschstudenten (zum Beispiel aus Aserbaidschan) und ein paar weitere Schweden da.

240906-033.jpg

h1

Muséet Kulturen i Lund

September 21, 2006

Gestern waren Markus und ich im Muséet Kulturen. Das Kulturen ist ein recht großes Freilichtmuseum in der Nähe des Stadtzentrums von Lund.

lund-kulturen.jpg

Eigentlich ist es nicht ein Museum, sondern sogar ganz viele :-) . Es besteht aus vielen alten schwedischen Häusern und Häuschen aus verschiedenen Jahrhunderten, von denen man die meisten auch von innen besichtigen kann, und mindestens genauso vielen Museen, in denen verschiedene Ausstellungen untergebracht sind.

210906-145.jpg

Wenn man das Eingangsgebäude (das große, weiße unten rechts) durchquert hat, fallen einem zunächst die sehr interessant geschnittenen Bäume auf, …

210906-021-kulturen-9.jpg

… dann steht man auch schon vor einem alten Pfarrhaus aus dem 19. Jahrhundert.

210906-021-kulturen-11.jpg210906-021-kulturen-10.jpg

Als nächstes haben wir uns das große, gelbe Gebäude angesehen, …

210906-034.jpg

… in dem unter anderem Ausstellungen über Landwirtschaft in Skåne und Fischerei in Südschweden sind. (Ja, das sieht so einfach aus, wenn man das liest… Ich muss hier ständig zwischen der deutschen und schwedischen Tastaturbelegung wechseln – Ü und Å sind nämlich auf derselben Taste… ;-) )

210906-030.jpg210906-026.jpg

210906-024.jpg

Außerdem befindet sich im Obergeschoss eine sehr interessante Ausstellung über Wohneinrichtungen in Skåne im 18. und 19. Jahrhundert.

210906-021-kulturen-6.jpg

Aber nicht nur die Betten sind klein, auch die Decke ist niedrig (also ich konnte bequem stehen, aber andere Leute haben das angemerkt ;-) ) und die Türen laden zum Limbo-Tanzen ein.

210906-021-kulturen-12.jpg

Das ist erst die Einstiegshöhe. Es wird noch besser:

210906-021-kulturen-7.jpg

Danach sind wir durch einen Tunnel unter der Straße durch in den anderen Teil des Meseums gelaufen. Am Ende des Tunnels gab es erstmal – wie noch an einigen anderen Stellen – eine Kiste mit Spielzeug :-D .

210906-043.jpg

Markus meinte, er finde gut, dass wir endlich einmal auf Augenhöhe seien…

Nur wenige Meter weiter befindet sich die “Bosebo Kyrka”, eine 1652 erbaute Kirche, die immer noch genutzt wird und – bis auf die Orgelpfeifen – weit gehend aus Holz besteht.

210906-047.jpg210906-044.jpg

210906-049.jpg210906-054.jpg

210906-052.jpg210906-048.jpg

Danach begegneten uns erst Måcketorpsboden, ein Haus aus dem 17. Jahrhundert, …

210906-057.jpg

… dann ein Arbeiter-Haus von 1930 …

210906-060.jpg210906-065.jpg

… und schließlich eine Spielzeugausstellung. Das Spielzeug war allerdings nicht sooo alt und kam uns teilweise irgendwie dann doch schon eher bekannt vor.

Außerdem erwartete uns ein etwas merkwürdiges Erlebnis. Es gibt einen Gang, durch den man – vorausgesetzt man betritt ihn zur richtigen Zeit – angeblich von der Stimme eines Geschichtenerzählers geleitet wird. Wir haben ihn leider zur falschen Zeit betreten, sodass uns bloß vollkommene Dunkelheit umgab. Da ohne Licht die Orientierung so schwer fällt, versuchte ich, mit dem Blitz meiner Kamera den Gang kurz zu beleuchten, um einen Überblick zu bekommen und nicht ständig gegen eine Wand zu laufen. Hier ist, was ich gesehen habe:

210906-070.jpg

Und von diesen Kinder gab es plötzlich noch viel mehr, die durch meinen Blitz aufgeschreckt uns schreiend entgegen rannten, mich abtasteten, fragten “Vem är du? Vem är du?” und schließlich schreiend verschwanden. Dann war es wieder still…

Irgendwann haben wir dann auch den Ausgang gefunden und unseren Rundgang fortgesetzt.
Wir haben unter anderem noch Bosmålastugan, eine småländisches Haus aus dem “armen Schweden” vom Beginn des 20. Jahrhunderts (Ich frag mich, wie häufig die sich damals den Kopf angehauen haben…), …

210906-085.jpg

… Blekingegården, das Haus einer wohlhabenden Farmerfamilie aus dem frühen 19. Jahrhundert, …

210906-078.jpg210906-080.jpg

… den Spielplatz, ein Haus mit einer Ausstellung über Lund nach 1658 und lustigen Stühlen …

210906-095.jpg210906-096.jpg

… und eine Ausstellung “Von A bis Ö” (das schwedische Alphabet ist A, …, Z, Å, Ä, Ö) über den Buchdruck angesehen.

210906-108.jpg210906-106.jpg

Außerdem waren wir noch in einem Museum über die Geschichte der Lund University und einer Keramik-Ausstellung. Allerdings gibt es im Kulturen noch einiges mehr zu sehen, als wir an diesem einen Nachmittag anschauen konnten, was aber nicht so schlimm ist. Schließlich ist für Studenten der Eintritt frei… :-)

h1

Lund – Teil 1 oder Lund ist eine Uni!

September 17, 2006

Nachdem ich jetzt schon einen ganzen Monat hier in Lund bin, dachte ich mir, ich könnte auch mal etwas über diese Stadt berichten. Ich beginne also in diesem Post einfach mal mit einigen subjektiv wichtigen Dingen und einem kleinen Spaziergang durch die Universität vom Stadtzentrum bis zum Matematikhuset nordwestlich davon.
Zunächst einmal meine beiden besten Freunde in Lund: ;-)

150906-107.jpg

Mittlerweile komme ich eigentlich ganz gut ohne Stadtplan zurecht, aber zumindest in den ersten Tagen war er doch enorm hilfreich :-) . Auf das Wörterbuch kann ich allerdings noch nicht verzichten, das wird auch weiterhin wichtig und mein ständiger Begleiter sein ;-) .

Zurück zum Thema:
Lund ist mit etwa 74.000 Einwohnern die elftgrößte Stadt in Schweden und liegt ganz im Süden in der Landschaft und Verwaltungseinheit Skåne (sprich: Skone – auf deutsch heißt es, glaub ich, “Schonen”, aber das klingt komisch. Ich bleib bei “Skåne”…). Skåne wiederum liegt in Götaland, dem südlichsten der drei großen Landesteile (Götaland, Svealand, Norrland), in die Schweden eingeteilt ist.
Aber am besten fange ich mal vorne an. Das ist Schweden mit Skåne und Lund:

a_karte_102.gif

Und so sieht Lund aus – oder zumindest ein Teil davon (naja, nicht wirklich natürlich, aber ihr wisst ja, was ich meine ;-) ):

lunduniweg.jpg

Ein sehr großer Teil (mehr als ein Drittel) der Einwohner Lunds sind Studenten und auch sonst haben sehr viele Leute, die hier leben, irgendwie mit der Uni zu tun. (Von denen, die ich bisher kennen gelernt habe, sind fast alle entweder an der Uni oder am Universitäts-Krankenhaus beschäftigt.) Lund ist also keine “normale” Stadt, eigentlich ist ganz Lund eine Uni! – Oder besser zwei: Hier gibt es nämlich tatsächlich zwei Universitäten, die Lunds Universitet (LU – Lund University) – da bin ich – und die Lunds Tekniska Högskola (LTH) – da bin ich nicht. Die beiden Unis arbeiten aber sehr eng zusammen, Studenten können Vorlesungen an beiden Unis hören, in vielen Gebäuden sind Einrichtungen oder Profs beider Unis zu Hause und überhaupt ist mir manchmal nicht so ganz klar, was jetzt wozu gehört. ;-)

Das ist das Hauptgebäude der Uni:

150906-069.jpg

Das ist von innen viel größer als es von außen aussieht und hat einen sehr schönen, riesigen Saal mit einer bunt bemalten Decke. Die Fotos, die ich davon während der Begrüßung der Austauschstudenten durch den Vice Chancellor gemacht habe, sind leider auf mysteriöse Art und Weise verschwunden… (Okay, ich hab versehentlich die Karte formatiert.) :-(

Auch ganz nett finde ich den Brunnen vor dem Hauptgebäude.

150906-068.jpg

Das hier ist das sogenannte AF-Building, wo die Registration am Arrival Day und mein Sprachkurs stattgefunden haben.

150906-074.jpg150906-072.jpg

Jedesmal, wenn ich daran vorbeilaufe, stelle ich aufs Neue überrascht fest: “Oh wie cool, das Haus hat ja ‘nen Turm…” :-)

Ganz in der Nähe von Hauptgebäude und AF-Building befindet sich das wohl beeindruckendste Gebäude in Lund und das Wahrzeichen der Stadt: Die Domkyrka!
Sie ist mehr als 900 Jahre alt und der älteste Dom Skandinaviens.

150906-025.jpg

150906-026.jpg

Das Problem mit derartig beeindruckend großen Gebäuden ist bloß, dass man aufgrund von Bäumen und anderen Gebäuden, die sie umzingeln, nie weit genug weggehen kann, um sie vernünftig auf ein Foto zu bekommen. Naja, aber irgendwie wirken diese Gebäude ja durch diese leicht verzerrten Bilder von so schräg unten noch etwas beeindruckender. ;-)

Wenn wir uns jetzt vom Stadtzentrum aus langsam in Richtung Mathematik-Gebäude bewegen, so laufen wir zunächst durch einen kleinen Park, in dem sich die Universitätsbibliothek befindet.

150906-061.jpg

Dahinter beginnt übrigens das riesige Gelände der Universitätsklinik. Läuft man da durch, so kann man zum Beispiel den hier finden: ;-)

150906-035.jpg

Auf dem weiteren Weg begegnet man den Gebäuden sehr vieler anderer Fachbereiche (eigentlich sind alle Gebäude, die da so rumstehen, Universitätsgebäude… :-) ). Besonders interessant finde ich das Astronomie-Gebäude mit dem Observatorium daneben. (Astronomie ist nämlich auch mein … äh, naja… ganz nett!)

150906-056.jpg

150906-055.jpg

Ungefähr hier habe ich gestern auch eine kurze Schrecksekunde erlebt ;-) . Einige können sich ja sicherlich vorstellen, an wen mich folgende Person erinnert hat: ;-)

150906-053.jpg

Ach ja… aber keine Sorge, sie ist’s nicht wirklich… Die Person auf dem Foto hat nicht meinetwegen die Straßenseite gewechselt… ;-)

So… und dann sind wir auch schon am Mathematik-Gebäude angekommen.

150906-052.jpg

So sieht’s aus (den Elch kennen wir ja schon :-) ), …

150906-043.jpg 150906-044.jpg

… das steht davor (was auch immer es ist… wahrscheinlich Kunst… Zumindest scheint jemand sein Fahrrad darin aufzubewahren… ;-) )…

150906-041.jpg

… und diese lustigen Bilder (und noch viel, viel mehr davon) befinden sich auf dem Boden davor und wurden vor kurzem – am Anfang des Semesters – neu (nach-)gemalt. :-D

150906-046.jpg 150906-047.jpg

150906-049.jpg 150906-050.jpg

h1

Milch in Schweden

September 15, 2006

Was das Einkaufen von Milch angeht, hat man in Schweden eine sehr große Auswahl an verschiedenen Produkten. Vielleicht könnte man sagen: Das was es an Alkohol weniger gibt, gibt es an Milch mehr. Mit anderen Worten: Ich bin hier genau richtig!!! :-D

Sehr interessant ist auch, dass die Milch (die Verpackung) hier farbkodiert ist.
Und so sieht diese Kodierung in Lund aus:
Minimjölk ist gelb und hat 0,1 % Fett.
Lättmjölk ist rot und hat 1,5 % Fett – entspricht der fettarmen Milch in Deutschland.
Mjölk ist orange und ist wohl so eine Art “Standardmilch”.
Mellanmjölk ist blau und hat 3 % Fett. Außerdem gibt es von der Mellanmjölk eine Kinder-Version mit lustigen Kühen drauf.
Filmjölk ist hellgrün, hat ebenfalls 3 % Fett, geht aber von der Konsistenz her ein wenig in Richtung Joghurt. Sie ist in etwa so dickflüssig wie Buttermilch und schmeckt auch so ähnlich.
Lättfilmjölk ist hellblau und eine Light-Version von Filmjölk mit 0,5 % Fett.

milch.jpg 150906-095.jpg

Ansonsten gibt es alle diese Sorten auch in der Öko-Version (das steht dann in grün drauf), mehrere Sorten Soja-Milch und noch eine ganze Reihe von Milchgetränken in verschiedenen Geschmacksrichtungen – z. B. Blåbärfil klingt lustig und ist Milch mit Blaubeergeschmack.

Und was ich besonders gut finde: Joghurt gibt es auch fast überall in den 1-Liter-Milchtüten. :-)

Die Farbkodierung ist aber – so hat mir jemand erzählt – nicht überall in Schweden gleich, sodass auch einheimische Milchtrinker gelegentlich die falsche Packung erwischen und dann Joghurt in ihren Kaffee leeren… ;-)

h1

Chatting with Eliza

September 15, 2006

Da ich bisher, was meinen Studienplan in Lund angeht, noch nicht genug Chaos angerichtet hatte (in DA Herrn KGB, den Schweden-Koordinator und den DPK-Vorsitzenden, in Lund den Statistiker und meinen Koordinator genervt) ;-) , habe ich vor einigen Tagen beschlossen, doch noch eine letzte Änderung an meinem Enrolment Form vorzunehmen :-) . Mir hat nämlich kürzlich ein Informatiker auf meinem Korridor von einem Haskell-Kurs erzählt. Haskell ist eine funktionale Programmiersprache, die ich sehr interessant finde und von der ich irgendwie denke, dass es für Mathematiker nicht das Schlechteste ist, sie mal gemacht zu haben.
Also habe ich den Prof, der die Vorlesung hält, gefragt, ob ich daran teilnehmen darf. Lennart (der Prof) war einverstanden, hat mich allerdings darauf hingewiesen, dass der Kurs eigentlich schon vor drei Wochen angefangen hat. Der Kurs begann mit einem “Self Study Course”, während dessen man in etwa zwei Wochen aus einem bereitgestellten Buch die Sprache lernen soll. Danach folgen vier größere Programmieraufgaben, die man bestehen muss, um am Ende die Klausur schreiben zu dürfen, und die Deadline für das erste Programm ist heute.

Nun ja, ich hatte also etwa noch zwei Tage, um Haskell zu lernen, und muss sagen, dass das eigentlich gar nicht so schwer ist, wie manche Leute behaupten. (In Darmstadt hatte mir jemand von Haskell erzählt und es so dargestellt, als sei es quasi unmöglich zu verstehen und so etwas wie die schwerste Programmiersprache aller Zeiten. – Das ist Blödsinn! Haskell ist eigentlich ganz nett! :-) )

Die erste Aufgabe war, einen Chatterbot – das ist ein Programm, das einen Dialog simulieren soll – namens Eliza zu programmieren.
Die allgemeine Idee für solche Programme stammt aus dem sogenannten Turing-Test, in dem ein Programm einen Menschen glauben lassen soll, er würde sich mit einem richtigen Menschen und nicht mit einem Computer unterhalten. Der Alan Turing aus dem Turing-Test ist übringens der gleiche, der im Zweiten Weltkrieg die Verschlüsselung der Enigma geknackt hat :-D . (Wenn ich jetzt sage, Kryptopraphie ist “mein Hobby”, klingt das wieder so nach einem schlechten Insider-Witz… Trotzdem: Kryptographie ist toll!) Und es ist auch der Alan Turing, der – in der Hoffnung, es helfe gegen seine Allergien – zum Radfahren eine Gasmaske trug… Naja, Mathematiker sind schon manchmal komisch… ;-)

Eliza ist ein spezieller Chatterbot, der einen Psychoanalytiker simulieren und jede Aussage zu einer Frage machen soll. Angeblich – so habe ich auf der Kurs-Website gelesen – gibt es Menschen, die ein Gespräch mit ihr sehr gut fanden, da sie zum ersten mal das Gefühl hatten, dass ihnen jemand wirklich zuhört. Ich glaube nach einigen Testdurchläufen, dass diese Menschen, den Psychiater tatsächlich äußerst nötig haben. (Die Leute mit den Staubsaugern sind wirklich da!!! Ich brauche ihn nicht! ;-) ) Denn mir geht sie sehr schnell sehr, sehr doll auf die Nerven. (Ich musste das Programm im Hintergrund schreiben, an dem eigentlichen Blödsinn, den sie redet, bin ich unschuldig…)
Ein typisches Gespräch mit Eliza verläuft zum Beispiel folgendermaßen:

————————————————–
Eliza: Hi! I am Eliza. How are you?
You: I am very very fine.
Eliza: Do you enjoy being fine?
You: Yes, I do.
Eliza: You seem quite sure.
You: Yes.
Eliza: Let’s change focus a bit… Tell me about your family.
You: My family is in Germany.
Eliza: Why do you say that your family is in Germany?
You: Because that’s the way it is.
Eliza: I see. But if that’s the way it is what else must be true?
You: You are stupid.
Eliza: Perhaps you only want me to be stupid.
You: No!
Eliza: I see.
You: quit
Eliza: Thank you very much for talking with me. That will be $150. Have a nice day!
————————————————–

Als ich gestern morgen mit dem Programm fertig war und es einreichen wollte, stellte sich das jedoch als in etwa so kompliziert und nervig heraus wie ein Gespräch mit Eliza. Man benötigt dazu nämlich zunächst einen sogenannten EFD-Login (wahrscheinlich das schwedische Äquivalent zum RBG-Accout. Die spinnen, die Infen – und zwar überall! ;-) ). Ich habe Lennart eine E-Mail geschrieben und etwa 20 Minuten später eine Antwort erhalten – von meinem Koordinator. Lennart hatte jemand anderen angeschrieben, der wiederum meinem Koordinator eine Mail geschrieben hat, die der wiederum beantwortet und diese Antwort als Kopie an mich geschickt hat – und alles in knapp 20 Minuten… Respekt…
Jetzt muss ich nur noch einige Unterschriften sammeln, von denen mir noch nicht vollkommen klar ist, wie ich sie bekomme. Das deutsche System (anklopfen, auf Antwort warten, Tür öffnen, eintreten) habe ich gestern ausprobiert. Nach dem Anklopfen wollte ich gerade an der Tür lauschen, ob eine Antwort kommt, da ging die Tür auch schon auf und ich habe es nur einer sehr schnellen Reaktion zu verdanken, dass ich jetzt keine Gehirnerschütterung habe ;-) . Seitdem ist mein Vorgehen folgendes: Ich klopfe an, trete einen Schritt zurück und warte ab, was passiert. Meistens passiert nichts…

h1

Eine kurze Zwischenmeldung

September 15, 2006

Ich sitze gerade an meinem Computer und sehe von meinem Fenster aus einen Haufen Leute, die auf einem Balkon stehen und anscheinend so etwas wie Staubsauger-Weitwurf spielen… Ich weiß nicht, warum die das machen und woher die so viele Staubsauger haben. Jedenfalls versuchen sie, eben diese Staubsauger, die dann immer in tausend Teile zerspringen, aus dem zweiten Stock in einen Einkaufswagen zu werfen, der unten vor dem Balkon steht, und haben offensichtlich Spaß dabei…
Die spinnen, die Schweden… oder die Studenten oder was auch immer… ;-)

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.